Siemens-Villa

Heimspiel: Unsere Berliner Konzertreihe

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Werner Ferdinand von Siemens hatte das Correns’sche Anwesen in Berlin-Lankwitz 1925 erworben. Musik ist seine größte Passion: Er spielt Klavier und Orgel, dirigiert auch, allerdings ist ihm aus der Familientradition heraus das Musikstudium nicht möglich. Hier kann er sich den Traum erfüllen und einen eigenen Konzertsaal bauen: 1928 startet der Bau des „Musiksaalanbaus“, der 300 Besucher*innen Platz bieten soll, eine große, abgestufte Bühne für Orchester hat und gleichzeitig von der Straße aus wie auch mittels einer (Bilder-) Galerie direkt vom Herrenhaus aus erreichbar ist.

Zur Eröffnung um die Jahreswende 1929 / 1930 dirigiert Werner Ferdinand von Siemens selbst die Meistersinger Ouvertüre – es spielen Musiker aus der Staatskapelle. Zahlreiche Berühmtheiten und selbstverständlich auch Verwandte der Familie von Siemens erleben einen neuen attraktiven Begegnungsort an dem sich die Gesellschaft der Berliner Kunst- und Kulturszene treffen und austauschen kann. Neben zahlreichen Familienmitgliedern nahmen an dem Eröffnungskonzert Industriemagnaten wie der Generaldirektor der Osram-Werke teil, aber auch illustre Persönlichkeiten wie Hedwig Courths–Mahler, der Maler Prof. Kossuth oder der Päpstlichen Nuntius Pacelli (später Papst Pius XII). Dokumentiert sind aus der Musikszene Generalmusikdirektor Kleiber und Generalintendant Tietjen. Im nächsten Konzert am 24. Januar 1930 dirigiert wiederum von Siemens – dieses Mal das Philharmonische Orchester Berlin mit einem Brahms-Abend.

Ab 1947 nutzt der RIAS den Saal als Aufnahme- studio. Es entstehen Produktionen mit Künstler*innen wie Rudolf Schock, Dietrich Fischer-Dieskau, Marlene Dietrich oder Martha Argerich. Für die Deutsche Grammophon werden Aufnahmen mit Stars wie Peter Schreier, Jessye Norman, Edith Mathis, Mstislav Rostropovich, Dietrich Fischer-Dieskau und Daniel Barenboim, Brigitte Fassbaender, Anne Sofie von Otter und Douglas Boyd im Konzertsaal der Siemens-Villa auf- genommen. Ein regelmäßiges oder gar öffentliches Konzertleben findet jedoch kaum statt, sieht man von temporären Konzerten der Steglitzer Musikschule und denen der Berliner Symphoniker ab.
Die Lage der Siemens-Villa ist nicht, wie alle an- deren bekannten Konzertsäle, im Zentrum, sondern am Rand von Berlin in Steglitz-Zehlendorf. 2018 hat die Neue Philharmonie angefangen mit einer eigenen klassischen Konzertreihe an diesem berühmten Ort drei- bis viermal im Jahr präsent zu sein. Ziel ist es, die Siemens-Villa zu einem frequentierten Konzertort zu machen.


2021 werden wir mit der Konzertreihe „Heimspiel“ die Siemens-Villa erneut zu unserer Berliner Residenz machen und mit insgesamt neun Konzerten bespielen. Die gut einstündigen Programme kontrastieren die fünf Klavierkonzerte Beethovens mit abendlichen Stimmungsbildern aus der Feder von Dvořák, Tschaikowsky und Brahms. Die Serenaden erklingen zum Teil ebenfalls in für Kammerorchester umgeschriebenen Versionen. Mit solchen „Klassikern“ möchten wir die Bürger*innen vor Ort ermutigen am kulturellen Leben teilzunehmen. Wir möchten gerade die Menschen animieren wieder Konzerte zu besuchen, die den „langen Weg“ nach Berlin-Mitte scheuen. Wir erwarten, dass dies zumindest in der ersten Jahreshälfte unter gewissen Auflagen passieren wird und haben daher etwa einstündige Programme konzipiert, die im Ideal- fall auch auf „normale“ Konzertlänge mit Pause aufzustocken möglich sind. Gleichzeitig freuen wir uns auf den Aufbau einer dauerhaften Kommunikation und Anbindung an die Bevölkerung.
Für die zweite Jahreshälfte sind vier Konzerte ab Oktober geplant, in deren Mittelpunkt zu Ehren von Mozarts 230. Todestag vier Klavierkonzerte aus seinem Schaffen im Mittelpunkt stehen, kombiniert mit einer Auswahl aus seinen 13 Serenaden (Kleine Nachtmusik, Serenata Notturna).
Die solistisch gedachten Kammermusik-Versionen bedeuten eine besondere Herausforderung an die Musiker*innen, die kammermusikalisch mit viel Eigen- verantwortung musizieren werden. Für die jungen Mitglieder der Neuen Philharmonie ist dies ein neuartiger Lernprozess, den wir 2022 fortsetzen werden.

bekannte Musik neu betrachten und vermitteln
Projektausblick zu 
„Bilder einer Ausstellung"
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